Im Süden Madagaskars lebt, endemisch wie alles, le Pigeon Vert, die grüne Madagaskar-Taube. Zeichen für Hoffnung. Alles wird irgendwann wieder grün. Bald, wenn der Regen kommt, bepflanzen wir das Schulgelände in Ehinde, bei den Grêvistes. Aber zunächst wird dort fleißigst gebaut: Endlich ein festes Schulgebäude – Überraschung – ein Form einer Taube. Das bestehende Holzgebäude wird als mittlerer Klassenraum integriert, nichts wird verschwendet, nicht ein Stück Holz.

Alle unsere Tauben sind unterschiedlich, natürlich. Diese sieht durch einen Übertragungsfehler bei den Proportionen nun ein bisschen aus wie Adler mit zu großem Kopf, aber das ist okay. Auch eine Taube darf mal ein Adler sein. Genau wie unsere Kinder selbstständig und stark werden.

In der Taube wird es fünf Klassenräume geben, für Klasse 1-5, die bisher in einem Raum waren. Der Schwanz soll eine überdachte Terrasse werden für das Mittagessen, im Kopf bewahren wir die Gedanken der Taube auf (bzw. das Schulmaterial).

Vorn der Schwanz der Taube. Hinten sieht man schon die Fenster der einzelnen Klassenräume.

Und das große Pigeon Vert bekommt ein Kind, eine kleine Taube, etwas plumpsiger und runder, das wird unser neuer Kindergarten.

Finanziert wird das Ganze von der Schmitz-Stiftung nach einem kleinen Antrags-Papierkrieg. Danke, liebe Schmitz-Stiftung! Bäume für einen richtigen kleinen Wald hat eine verstorbene Dame gespendet, an die wir damit erinnern werden, aber wie gesagt, da warten wir besser die Regenzeit ab mit dem Pflanzen. Im Schulhof soll es Außen-Arbeitsplätze geben und sogar Toiletten – die Madagassen sind extrem verwundert. Aber sie freuen sich und kommen jeden Tag vorbei, um sich anzugucken, wie ihre Taube wächst.

„Wir kommen jeden Tag und gucken. Ein richtiges Schulzentrum für unsere Kinder! Wir hätten nie gedacht, dass so etwas möglich ist.“ (das ist jetzt kein gestelltes Photo, Maniok muss man lange stampfen, dabei hat Noela sich mal mit dieser Dame unterhalten.)

Und damit es mit den Photos und den Briefen besser und schneller geht, wollten wir Noela jemand zweiten an die Seite stellen, der ihr hilft. Immerhin besteht das Leitungsteam in Talata aus 10 Leuten, und sie ist allein. Aber es gibt niemanden, der Französisch oder Englisch spricht und helfen kann. Also haben wir ihr einen anderen Begleiter besorgt, mit dem sie selbst zu den Schulen hinaus reiten kann, denn sonst muss sie immer auf Mitnahme hinten auf irgendjemandes Moped warten: Hier ist ihr neu-gebrauchtes stolzes Ross, geparkt vor dem Internat.

Noela! Setz den Helm auf, verflixt!

So, und was tun nun die Kinder? Gebäude sind ja ganz schön, aber Kinder sind schöner. Hier sind die, die in den Sommerferien die 5.Klasse-Prüfung gemacht und bestanden haben – eine zentrale Prüfung, zu der Noela sie ins Städtchen Ejeda holen musste. Sie waren sehr motiviert beim Lernen, weil sie jetzt auch alle ins Internat möchten. 4 von ihnen können, denn sie haben Paten gefunden. Herzlichen Glückwunsch! Ihr dürft in die 6. Klasse gehen!

Ach ja, das Internat! Da kriegen wir 4 neue gar nicht mehr unter, es ist jetzt viel zu eng. Noela hat eine alte Villa in Ejeda gefunden – naja, Villa hin oder her – die seit langem leer steht. Wir dürfen für quasi keine Miete einziehen, müssen sie aber selbst reparieren. Auweia! Es gibt einen riesigen Hof, den wir nach und nach in einen Garten verwandeln weren, einen Brunnen und tausend Zimmer.

Wir restaurieren erstmal das nötigste. Einsturzgefährdete Mauern werden eingerissen, neue gebaut. Später können wir die anderen Räume immer noch irgendwann reparieren und nutzen, Noela träumt ja von einer Grundschule in Ejeda. Vielleicht in 10 Jahren. Erstmal das Geld für die Reparatur des Gebäudes finden, 6 Riesen … hm. Unser Internats-Papa Veit Feger hat schon einen großen Batzen in den Topf geworfen und lustiger Weise am selben Tag, ohne dass die Kinder davon wusste, sowieso Briefe von ihnen bekommen.

Die Briefe sind einfach so niedlich, die müssen alle sehen dürfen:

Und nun geht die Schule wieder los, auf dem Collège in Ejeda und in „unseren“ vier Dörfern. Auch wenn das Pigeon Vert noch nicht genutzt werden kann. Noella hat für 500 Kinder in Toliara, der grooooßen Stadt, Schulmaterial gekauft. Gut, dass ich nur 4 Kinder habe und nicht 500.

All dieses Papier! Das Gute: Wenn die Hefte und Aufzeichnungen in ein paar Jahren nicht mehr angeguckt und gebraucht werden, werden sie Klopapier. Nichts kommt weg.

Die Mädchen des Internats wollten auch unbedingt zur Kommunion. Seufz. Wir sind keine christliche Schule … Wir sind humanistisch und jeder darf bitte glauben, was er möchte … Aber weiße Tortenkleider sind einfach sooo schön. Vermutlich ist das Kirchliche zweitrangig in diesem Fall. Ich sehe die Mädchen am liebsten in Hosen auf Bäumen oder beim Fußballspielen … Na, ich bin ja nicht die Mädchen. Noela hat die Kleider allerdings selbst finanziert (geliehen?), da wir das Geld für Reis, Hefte, Medikamente brauchen. Photgraphisch wertvoll finde ich Noela im Bademantel zwischen den jungen Damen.

Und wir haben mal wieder (Noela hat) ein Kind repariert. Die kleine Mosanike, die ihren Arm durch eine geburtsbegleitende? Luxation nie strecken konnte. Nun muss sie sehr viel Physiotherapie machen. Ich zweifle etwas, aber sie ist ganz begeistert und übt tapfer. Abenteuerliche Drainage … oder was ist das?

Und weil es so niedlich ist – Fito von Grêvistes, der auch schon im Trailer für das Buch mitspielt, hat noch einen Babybruder bekommen. Und da er gerade Post von Nick und Kira, seinen jungen Paten, hatte, hat er sich gewünscht, dass Nick den Namen für das Baby aussucht. Was für eine Ehre! Es heißt nun Adriel, wie der Engel der Tierwelt, was passt, da die Familie ja Ziegen hat. Hier ist Fito auch beim Trocken der Maniok-Ernte für dieses Jahr.

Adriel schläft – und träumt von einer grüneren Zukunft in seinem Dorf. Wenn er in die Schule gehen wird, wächst hoffentlich unser Schulgarten schon um die neuen Taubengebäude herum.