Wir wählen! Als erste Schule des Landes! (glauben wir).
Basisdemokratie fängt unten an – bei uns bei den Zweitklässlern. Sie alle haben zum ersten Mal gewählt: den Schülerbeirat. Sechs Beiräte, drei Mädchen und drei Jungen, jeder Wähler hatte eine Stimme für Mädchen und eine für Jungen. Kandidiert haben Schüler ab der 8. Klasse.
Im Vorfeld wurde viel erklärt: Warum darf ich niemandem sagen, wen ich wähle, darf ich das wirklich selber aussuchen … Die Kandidaten haben ihre Programme schriftlich festgehalten und vor der ganzen Schule öffentlich vorgestellt. Manche mussten dabei noch sehr stottern, andere waren schon ganz souverän.











Nachdem zunächst großer Zweifel herrschte – „Wir haben sowas ja noch nie gemacht“ – und ich viele Bilder von gebastelten Urnen und Wahlkabinen an deutschen Schulen geschickt hatte, ging es dann plötzlich doch.
Und alles wurde perfekt organisiert: Jeder Schüler wurde mit Fingerabdruck und Namen registriert, damit niemand sich zweimal anstellen kann 🙂 , und alles war ganz ganz geheim.








































Am Ende großer Jubel beim Auszählen der Stimmen und Verkündigung des Ergebnisses. Alle bedanken sich bei ihren Wählern …




Und hier ist er, der Schülerbeirat:






Nun wird er am 7. Februar zum erstem Mal mit der Direktorin und dem Leitungsteam zusammensitzen und Vorschläge und ihre Umsetzbarkeit besprechen. Manches ist einfach und gut, z.B. „Duschen für das Oberstufengebäude, damit man sich nach dem Sport waschen kann“ (Mini-Häuschen mit Eimer = Dusche) oder „Bänke für den Schulhof“. Anderes wird interessant, z.B. „mehr Transparenz zw. Lehrern und Schülern“. Sehr gut! Wie werden sie das wohl umsetzen? Manches geht auch nicht, wie „einen Fußballplatz in Normgröße“. Die Schüler werden lernen, warum wir manches nicht tun – einfach, weil z.B. das Geld für einen weiteren Grundstückskauf nicht da ist. Sie werden aber vor allem lernen, dass sie etwas bewegen können. Dass wir auf sie hören. Dass nicht immer nur „die da oben“ entscheiden.



Falls die Schrift hier nicht lesbar sein sollte: Das Dokument mit den Programmen aller gewählten Kandidaten befindet sich auch in der Rundmail als Word.
Die „Beiräte“ müssen nun selbst auf die anderen hören – all die Schüler auf dem Schulhof, die Probleme oder Ideen haben. Regelmäßig sollen sie sich mit den Klassensprechern treffen, um dort nachzufragen, was es für aktuelle Sorgen gibt.
Unser Mann mit dem meisten Stimmen, Mamiso Bruno (Claudia, Dein Patenkind!), hat seine Stimmen v.a. von den Kleinen bekommen, weil er sich immer schon sehr um sie kümmert. Nun kann er ihre Wünsche und Sorgen im Schülerbeirat einbringen, z.B. die Transparenz Ich würde sagen, die Fenster müssen dringend geputzt werden – nur haben wir gar keine Fenster. Aber aml im Ernst, wie wunderbar, dass die Schüler jetzt mitbestimmen. Ich habe gerade einen Antrag auf Kekse zur ersten Versammlung bewilligt.
Außerdem ist noch etwas Großartiges geschehen: Wir haben neue Reklamepostkarten! Fast. Der Wettbewerb in Deutschland und Madagaskar wurde von einer altersgemischten Jury (9 – 46 Jahre) beurteilt. Und hier sind die Gewinner in jeder Altersgruppe, es wurden mehrer Silbermedaillen vergeben, weil die Bilder einfach sooo schön waren. In ein paar Tagen müssten die Karten aus der Druckerei kommen … Wer welche verteilen möchte, bitte bescheid sagen.
Preise in Madagaskar: 1 Sack Reis. Preise in Deutschland: Bücher. Man weiß das ja, dass die Deutschen immer Bücher essen.

































Gießt die Welt, und sie wächst!
Und Karten brauchen wir, denn wir suchen dringend weiter Paten und Helfer. Anni mit dem funktionslosen Fuß braucht ganz dringend einen Paten, und ihre Schwester Solange, 13, auch. Anni wohnte ja in einem ganz anderen Ort und war nur zufällig „über uns“ in Behandlung gewesen damals, als sie fast nicht nur das ganze Bein, sondern ihr Leben durch eine Infektion verloren hätte, die den kompletten Muskel zerfressen hatte.
Sie hat kurz vor Weihnachten endlich Kinderkrücken aus Deutschland bekommen – hier hätte sie längst eine Unterschenkelprothese und würde wieder laufen.
Annie strahlt immer. Aber in ihrem Herzen sieht es anders aus.
Ihr Vater, Tischler, arbeitet weit fort von der Familie in Fianarantsoa und sollte Weihnachten nach Hause kommen. Er kam nicht – und zwei Tage nach Weihnachten erfuhr die Familie, dass er an einer Infektion gestorben war, dort, weit weg. Was für eine Weihnachtsfest! Und die Familie war ohne Brotverdiener. Da Annie sowieso mit dem Fuß in der Schule immer etwas unterging, in der sie war, haben wir sie nach Talata geholt: Das Team hat ein Häuschen für sie gemietet, die Mutter hat jetzt Arbeit bei uns in der Recyclingkohle-Produktion, Annie und Solange sind in der 3. bzw. 8. Klasse, kluge Mädchen. Beide haben noch keine Paten. (nein, Claudia, bitte überlies dies, Du hast genug Patenkinder).





Annie war auch schon auf Insta – aber komischer Weise kann man Likes nicht in Ariary umrechnen.
Dafür geht es Luca gut – unserem Tuberkulose-Weihnachts-Kind. Die Lunge ist jetzt zweimal operiert, er muss immer noch in Tana kontrolliert werden, Tb hat er keine mehr, offenbar aber eine andere hartnäckige Infektion. Hoby, Codirektorin, die halb in Talata und halb in der Hauptstadt Tana wohnt, hat ihn seit kurz vor Weihnachten bei sich wohnen. Was nicht so einfach ist, sie hat zwei eigene kleine Mädchen, und die Verbandswechsel und das Hin und Her zum Krankenhaus sind viel Arbeit, aber sie bemüht sich, außerdem mit ihm zu lesen, da er bei der Urgroßmutter keinen Zugang zu irgendetwas hatte. Wir suchen im Moment eine Patenfamilie in Talata, die ihn aufnehmen kann, für das Kinderhaus ist er ein zu arbeitsintensiver Einzelfall und die Urgroßmutter ist inzwischen zu schwach.



Zum Schluss noch ein paar Grüße aus dem Kinderhaus, wo Sammelgeburtstage gefeiert wurden mit Verkleidung als Geschenk und toller Knete und wo Charity lustige Dinge mit den Kindern tut (ich würde ja gern schreiben: unser amerikanischer Flüchtling).










Und auch Grüße von Francois und Maholys glücklchen, wohl umsorgten Schweinchen, ihre Mini-Landwirtschaft unserer Ex-Musterschüler läuft gut. Hoffentlich bringen die Glücksschweinchen der Schule Glück!




